Eine Analyse über Sprache, Macht und die Illusion, Gutes zu tun.
Was passiert eigentlich, wenn wir über Kinder sprechen?
Nicht nur darüber, was sie tun.
Sondern darüber, was wir aus ihrem Verhalten machen.
Der folgende Beitrag ist keine Analyse einer einzelnen Therapeutin oder eines einzelnen Zeitungsartikels.
Er steht exemplarisch für eine Art des Denkens und Sprechens, die uns in Medizin, Pädagogik, Wissenschaft und Gesellschaft immer wieder begegnet.
Anhand dieses Artikels möchte ich sichtbar machen, wie Sprache, wissenschaftliche Modelle und gesellschaftliche Vorstellungen unseren Blick auf Kinder prägen – und welche Fragen entstehen, wenn wir beginnen, diesen Blick selbst zu hinterfragen.
Doch diesmal ging es nicht.
Wir leben im 21. Jahrhundert und wissen um Ganzheitlichkeit, verschiedene Ebenen, unterschiedliche Perspektiven, komplexe Zusammenhänge und darum, dass alles aufeinander einwirkt.
Und dann schreiben wir über Menschen, die nie gefragt wurden.
Ist es wirklich gut, seit 1987 das Verhalten von Kindern zu bewerten, ohne einen wahrhaftigen Blick hinter die Kulissen zu bekommen und ohne das große Ganze zu sehen?
Ist es gut, wenn Eltern ihre Kinder unreflektiert nach ihren eigenen Maßstäben erziehen? Nein. Es ist im Grunde übergriffig. Und dann wundern wir uns über die Auswirkungen im gesamten System.
Weil wir offenbar manchmal nur von der Tapete bis zur Wand schauen und nicht über den Tellerrand.
Dabei hat das Einfluss.

Wir nehmen uns als Erwachsene und als Gesellschaft häufig heraus, Verhalten von Kindern zu bewerten, einzuordnen und zu beurteilen.
Wir wollen Verantwortung bei Kindern und Jugendlichen erkennen, während wir unsere eigene Verantwortung für das große Ganze aus dem Blick verlieren.
Dabei vergessen wir leicht, welchen Anteil wir selbst an den Bedingungen haben, in denen dieses Verhalten entsteht.
Wir diejenigen, die einen erheblichen Teil der Bedingungen schaffen, in denen Kinder aufwachsen. Wir gestalten Familien, Kindergärten, Schulen, Institutionen, Tagesabläufe, Erwartungen, Regeln und Beziehungen.
Wir entscheiden darüber, welches Verhalten erwünscht ist. Und welches nicht. Jap.
Wenn wir Verhalten betrachten, betrachten wir immer auch die Bedingungen, unter denen es entsteht.
Auch neurologisch betrachtet wirken Umwelt, Beziehung und emotionale Erfahrungen auf unser Gehirn und unser gesamtes System.
Dauerhafte oder Regelmäßige Stressbelastung von außen bleibt nicht einfach außen.
Sind wir bereit, nach diesem Wissen zu handeln.
Und was meinen Sie, warum Kinder Verhalten zeigen?